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Eine Veeh-Harfe für die Bewohner

Von: Anita Lennartz, 12. Januar 2012  (Ankum-Online.de) 
Pflegeheim bedankt sich für die Spende des DRK-Ortsverbandes Nortrup
Ankum. (anl)  „Der Gedanke liegt nahe, doch hat die Veeh-Harfe nichts mit einem Märchen zu tun. Die Geschichte der Veeh-Harfe beginnt mitten im wirklichen Leben…“ Mit diesen Worten begrüßte Altenpflegehelferin Birgit Krull die Gäste des DRK (Deutsches Rotes Kreuz)-Ortsverbandes Nortrup, die in das DRK-Alten- und Pflegeheim Henry-Dunant-Haus gekommen waren. Grund des Besuchs war die Spende einer Veeh-Harfe des Ortsverbandes an das Pflegeheim.
Veeh-Harfe? Bei dem Wort „Harfe“ denkt jeder sofort an ein Musikinstrument und das ist die Veeh-Harfe auch. Allerdings unterscheidet sie sich in ihrer Größe erheblich von einer „normalen“ Konzert-Harfe. Sie ist deutlich kleiner und hat 15 oder 18 Saiten. Entwickelt wurde das Instrument von dem Landwirt Hermann Veeh, der auf der Suche nach einem Musikinstrument für seinen Sohn Andreas war. Dieser kam mit dem Down-Syndrom zur Welt und da das Erlernen eines Musikinstrumentes für ihn unerreichbar schien, konzipierte sein Vater eines, das speziell auf seine Bedürfnisse abgestimmt war. Es entstand ein Saitenzupfinstrument mit Notenschablone. Diese wird zwischen Saiten und Resonanzkörper geschoben und ermöglicht ein Spielen vom Blatt. Notenkenntnisse sind also nicht erforderlich.
Das Pflegeheim machte „Bekanntschaft“ mit diesem Instrument bei der Einführung der Palliativpflege in der Einrichtung. Bei einer Projektvorstellung in Hannover wurden die Mitarbeiter auf das besonders Instrument aufmerksam. Der Förderverein unterstützte 2010 die Anschaffung, dass das Instrument so vielfältig zum Einsatz kommt, ist Birgit Krull zu verdanken. „Ich wollte früher schon immer ein Instrument spielen, kann aber nicht einmal Noten lesen“, lacht die 45-jährige. Sie nahm die Herausforderung an und beschäftigte sich intensiv mit der Veeh-Harfe. Sie machte sich mit der Handhabung vertraut, lernte das Stimmen der Saiten… und ist begeistert. „In unserem Haus kommt die Veeh-Harfe in vielen Bereichen zum Einsatz, zum Beispiel in der Beschäftigung, der Palliativpflege, der Sterbebegleitung und auch und vor allem in der Betreuung von Menschen, die an Demenz leiden“, erklärt Birgit Krull.
Sie spielt in erster Linie Volkslieder, zum Jahresende wurden selbstverständlich auch „weihnachtliche Klassiker“ gespielt. „Wenn ich die Harfe spiele, reagieren Menschen mit Demenz ganz unterschiedlich: Menschen, die kaum noch Worte hatten oder denen die Worte fehlten, fangen an, textsicher zu singen. Menschen, die keine Reaktion auf äußere Reize zeigten, fangen an zu summen, Menschen, mit Unruhe werden ruhiger… Die Harfe ist eine nicht mehr wegzudenkende Bereicherung bei uns.“, fasst es die Altenpflegehelferin zusammen.  Und Palliativfachkraft Elfriede Haarannen bestätigt die positive Wirkung von Musik. „Musik als Sprache, wo Sprache endet! Diese Erfahrung haben wir gemacht“, erläutert sie. „Musik kann helfen, das Unsagbare zu artikulieren, Gefühle auszurücken und Erinnerungen wachzurufen“.
Bislang konnten die Bewohner nur zuhören oder mitsingen, aktiv auf der Harfe spielen ist bei dem 18-saitigen Instrument zu schwierig. Der DRK-Ortsverband Nortrup hat nun die Anschaffung einer 15-saitigen Veeh-Harfe ermöglicht. Hier sind die Saiten weiter auseinander, der Platz zum Zupfen der Saiten also größer. Birgit Krull bedankte sich abschließend im Namen des gesamten Alten- und Pflegeheims herzlich bei den Nortrupern für dieses Geschenk.
Und dass das Spielen der Harfe relativ problemlos ist, bewies die 94-jährige Margarethe Wurbs, die mit „Am Brunnen vor dem Tore“ eine Klangprobe des Instruments und eine Kostprobe ihres Könnens gab.

6. Oktober 2012 16:12 Uhr. Alter: 6 Jahre