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Ankum: Vortrag für Ehrenamtliche über den Umgang mit desorientierten Menschen

NOZ 21.2.13: Dass sie ganz unerwartet und ungeplant mit der Praxis ihres Themas konfrontiert werden würden, hatten die Zuhörer eines Vortrags im DRK-Alten- und Pflegeheim Henry Dunant nicht erwartet.

Der Vortrag zum Thema „Was ist Demenz“ vermittelte den Ehrenamtlichen mehr Sicherheit im Umgang mit desorientierten Menschen. Foto: Ina Krauspenhaar

Die Referentin sprach vor freiwilligen Helfern zum Thema „Was ist Demenz?“, als plötzlich ein desorientierter Heimbewohner den Raum betrat und sich setzte. Schlagartig wurde für die Zuhörer aus grauer Theorie Praxis.

Referentin Cecilia Feldkamp stellte sich augenblicklich auf den unerwarteten Besuch ein. Der demente Heimbewohner stand in der Tür und schaute sich um. Die Referentin fragte: „Suchen Sie etwas? Möchten Sie hereinkommen?“ Anfangs sagte der Mann nichts. Sie fragte: „Was ist passiert?“ DerAngesprochene antwortete: „Ich weiß gar nicht, was passiert. Es ist so leer in meinem Kopf. Ich kann gar nicht mehr denken. Als ob ein großes Loch im Kopf ist.“ Dann setzte er sich.

Die Referentin nahm Blickkontakt zu ihm auf. Während des Gesprächs legte sie auch noch ihre Hand auf seinen Arm und passte ihre Stimme seiner Stimmung an. Cecilia Feldkamp fragte ihn, ob er etwas suche oder verloren habe. Der Betroffene bejahte. Auf die Frage, was er suche, antwortete er: „Meinen Verstand.“ Er fragte, ob er verrückt sei und schaute sie an. Sie antwortete: „Nicht verrückt, nur anders.“ Daraufhin war der Mann ganz ruhig. Die Referentin fuhr mit ihrem Vortrag fort. Irgendwann verließ der desorientierte Mann den Vortragsraum.

Während das alles passierte, war die Zuhörerschaft mucksmäuschenstill. Alle waren erstaunt, dass der Umgang mit Desorientierten auf diese Weise offenbar reibungslos funktioniert und dass der Mann am Ende ganz ruhig war.

Vor diesem Vorfall hatte Cecilia Feldkamp über den Umgang mit desorientierten Menschen gesprochen. Gleich zu Beginn der Informationsveranstaltung hatte sie die Zuhörer gebeten, ihre alltäglichen Erfahrungen und Probleme im Umgang mit Desorientierten zu schildern. Die Ehrenamtlichen stellten Fragen wie „Soll man dagegen reden, wenn Demente immer wieder die gleichen Fragen stellen oder falsche Behauptungen aufstellen?“; „Wie sind die Menschen früher mit Dementen umgegangen?“; „Gibt es vorbeugende Maßnahmen gegen diese Erkrankung oder liegt sie in den Genen?“; „Wie erkennt man erste Anzeichen einer Demenz?“

Was den Umgang mit desorientierten Menschen betreffe, sei eine wertschätzende Grundhaltung (Validation) sowie eine Kommunikation auf Gefühlsebene äußerst wichtig. Menschen mit Demenz könnten mit unserer realen Welt wenig anfangen.

Fragen oder Behauptungen Desorientierter sollten nicht realitätsorientiert beantwortet werden, da sich diese Menschen auf einer „Erinnerungsinsel“ befänden. Wenn eine desorientierte Person nach Hause wolle, bedeute das nicht immer, dass sie ihr Zuhause suche, sondern, dass sie Sicherheit und Geborgenheit brauche. Der Theorie der Validation liege die Annahme zugrunde, dass Gefühle nicht dement würden, wohl aber das Gedächtnis des Denkens. Wichtig sei die Beobachtung der Mimik des Betroffenen. Die Tonlage der eigenen Stimme solle der des Demenzerkrankten angepasst werden. Es solle Blickkontakt aufgenommen und wenn möglich auch Körperkontakt gehalten werden.

Früher galten Demente als altersverwirrt, verkalkt, senil oder tüdelig. Oftmals sei die Krankheit mit dem Kommentar „Der/die ist in der zweiten Kindheit“ versehen worden. Heute seien Begriffe wie „demenzkrank“, „Alzheimer-Patient“ oder „SDAT (senile Demenz vom Alzheimer Typ)“ gültig.

Vorbeugende Maßnahmen gebe es kaum. Neue Impulse und Herausforderungen im Leben könnten vorbeugende Wirkung erzielen. Das Gehirn wachse schließlich mit seinen Aufgaben. Jedoch gebe es weder spezielle Ernährungsweisen noch Medikamente, die die Demenz verhindern, aufhalten oder heilen könnten.

Wenn jemand beispielsweise seine Brille verliere, sei dies kein Grund zur Sorge. Erste Anzeichen einer Demenz seien sichtbar, wenn jemand seine Brille in der Hand halte, nicht wisse, was er damit machen solle und sie zum Beispiel in seine Schuhe stopfe.

Im DRK-Alten- und Pflegeheim Henry Dunant in Ankum sind viele Ehrenamtliche im Besuchsdienst tätig. Sie begleiten Gottesdienste für Menschen mit Demenz, sie beten den Rosenkranz mit den Heimbewohnern und unterstützen die Nachmittagsbetreuung. Zudem besuchen sie Demente im Krankenhaus oder sind als Hospizbegleiter im Einsatz

20. März 2013 13:56 Uhr. Alter: 6 Jahre