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Ihre Ansprechpartnerin Erste Hilfe

Foto: DRK

Frau Andrea Maiwald

Tel.: 
05422-962 46-16

"Unsere Rettungsdienste funktionieren so gut, dass Erste Hilfe durch Laien überflüssig, wenn nicht sogar gefährlich ist..."

Warum soll ich Erste Hilfe leisten?

Wer kennt nicht die Fernsehreportagen und Action-Filme, in denen Notärzte, Sanitäter oder Rot-Kreuz-Helfer aus Rettungswagen oder Hubschrauber springen, um nach einem Unfall den Verletzten zu helfen.

Solche Medienberichte über spektakukläre Einsätze vermitteln das zutreffende Bild eines hervorragend organisierten Rettungsdienstes. Dabei bleiben aber meistens die Voraussetzungen und Grenzen jedes - auch des besten - Rettungsdienstes augeblendet: Während die Kamera die kurz nach dem Notfall am "Tatort" eintreffenden Notärzte und Sanitäter ins Bild bringt, ist von Laien, die Erste-Hilfe geleistet haben, meist nichts zu sehen. Und das liegt keineswegs immer - wenn auch allzu oft - daran, dass niemand Erste Hilfe geleistet hat.

Jedenfalls wird so die Vorstellung gefördert, Erste Hilfe sei nicht so wichtig und schade insgesamt vielleicht sogar eher als sie nutze.

Das Gegenteil ist der Fall!

Erste Hilfe ist in vielen Fällen eine unverzichtbare Voraussetzung für einen "erfolgreichen" Einsatz des Rettungsdienstes, in den meisten andren Fällen erhöht sie dessen Wirksamkeit erheblich. Anderes gesagt: unser Rettungswesen kann nur wirksam funktionieren, wenn Laien Erste-Hilfe leisten. Ohne Erste Hilfe "bricht die Rettungskette".

Dies liegt vor allem daran, daß auch ein perfekter Rettungsdienst mindestens fünf Minuten braucht, um - nach der Alarmierung - am Notfall-Ort einzutreffren. Diese ersten Minuten nach dem Notfall aber bestimmen oft entscheidend die Chancen des "Opfers", was Umfang und Dauer seiner Heilung angeht und manchmal auch sein Überleben. Ja, man kann sagen: An der Notfallstelle werden die Weichen für den Verlauf und die Erfolgschancen aller späteren Maßnahmen nicht vom qualifizierten Rettungsteam, sondern von Laien gestellt.

Und so "hilft" Erste Hilfe. Genauer: So kann sie wirken, wenn sie rechtzeitig und sachgemäß geleistet wird:

Sind Wiederbelebungsmaßnahmen erforderlich, so könnte ein hoher Prozentsatz der Notfallpatienten gerettet werden, wenn damit innerhalb von fünf Minuten nach dem Notfall begonnen wird. Bei Überschreiten dieses engen Zeitraums können nur noch sieben Prozent der Patienten erfolgreich reanimiert werden. Da ein Rettungsteam kaum jemals vor Ablauf von fünf Minuten den Not- oder Unfallort erreichen kann, hat ein solcher Notfallpatient nur eine Überlebungschance, wenn ihm sofort von Laien sachkundig Erste-Hilfe geleistet wird.

Bei sachgerechter Erster Hilfe könnte die Zahl der Todesfälle bei Verkehrsunfällen um mindestens zehn Prozent gesenkt werden.

Erste Hilfe ist vor allem wirksam, wenn der Notfall "zeitsensibel" ist; dies trifft insbesondere zu für Schwerstverletzte bei Verkehrsunfällen, Atem-bzw. Herstillstand bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Auch die "psychische" Stabilisierung" hat positive Auswirkungen auf den Genesungsprozeß: Durch Demonstration der Hilfsbereitschaft, durch Stärkung des Selbstvertrauens muss der Betroffene aus seiner als Stress empfundenen Situation plötzlichen Kontrollverlustes über sich und seine Umwelt herausgeführt werden. Bei Kindern können nach Unfällen beträchtliche psychische Schäden auftreten, auch wenn keine körperlichen Verletzungen eintraten. Solche Schäden sind aber um so geringer, je eher das Kind von Eltern und anderen Helfern "umsorgt" wird.

Die sachgemäße Alarmierung des Rettungsdienstes ("Notfallmelder") kann den Einsatz des Rettungsdienstes wesentlich effizienter machen.

Die verbreitete Meinung, Erste Hilfe durch Laien schade insgesamt mehr als sie nütze, ist bei näherem Hinsehen nicht haltbar:

Zwar scheint zunächst einiges für diese Ansicht zu sprechen: Professionelle "Retter" (Notärzte, Angehörige oder Rettungsdienste) behaupten gelegentlich, daß Laien-Hilfe oft unsachgemäß sei.

Ob dieses Urteil wirklich zutrifft oder durch "unsachgemäß" hohe Ansprüche an die Laienhilfe bestimmt wird, ist umstritten, kann hier aber dahingestellt bleiben; denn: Auch die Kritiker behaupten nicht, daß die Ersthelfer in den fraglichen Fällen von Verletzten mehr geschadet als genützt hätten; Erste Hilfe also besser unterblieben wäre.

Die gelegentliche Kritik bedeutet - richtig verstanden: Ersthelfer hätten bei sachgemäßer Hilfe dem Verletzten noch besser nützen können. Es läßt sich hieraus also keineswegs ein "Grund" herleiten, keine Erste Hilfe zu leisten, sondern der Appell an jeden von uns: Durch Ausbildung und Übung in Erster Hilfe seine Fähigkeiten zu sachgemäßer Hilfe zu verbessern!